BUSSENIUS christian

Christian Bussenius – Malerei der Neuen Leipziger Schule

Die Protagonisten werden bei Christian Bussenius bestens herausgeputzt, seien es Superheldenkostüme, Uniformen oder junge Anzugträger. Weibliche Akteure bleiben in der Unterzahl, obwohl sie vereinzelt in Nebenrollen auftreten. Die Figuren stehen in stattlicher Haltung, mehr oder weniger differenziert ausgearbeitet, mit all ihrem Tatendrang und ihrer Energie in einer verlorenen Szenerie. Wohin ihr männliches Potential lenken, wenn die Perspektiven ausbleiben oder die Bezugsgrößen fehlen? Inmitten karger Landschaften, gefährlichen oder dunklen Situationen lässt sie der Maler, mit oder ohne Begleitung eines Kompagnons, auf sich allein gestellt zurück. Beinahe als hätte er seinen Spaß am Verwirrspiel, wiederholt er die Konfrontationen zwischen Mensch und übermächtiger Kulisse immer wieder.

Das Porträt YEAH [2013] hingegen zeigt große Freude, wie beim Erbeuten des Jackpots, dem großen Gewinn nach dem sich jeder sehnt – ob Frau oder Mann, ob Alt oder Jung, ob Arm oder Reich, egal welcher Herkunft. YEAH symbolisiert den Triumph eines möglichen gesellschaftlichen Außenseiters, der sich seinen Erfolg hart erarbeitete und nun verdient bejubelt. Anders ergeht es den erfolgsverwöhnten Superhelden in Bussenius Œuvre. Nach Kalendermonaten benannt, posieren diese Helden zwar in voller Montur, aber in doch eher peinlicher Haltung eines gescheiterten Idols: Mit Bierbauch oder mit mangelndem Selbstbewusstsein, ohne ihre gebührende glorreiche Attitüde der vergangenen Jahre.

Unverkennbar sind die Arbeiten von Christian Bussenius „neo-romantisch” „angeraucht”, wie der Künstler 2013 im Interview mit Daniel Thalheim scherzt. Tatsächlich wechselte der HGB Student nach drei Jahren in der Klasse Prof. Arno Rink zu Prof. Neo Rauch und schloss auch sein Diplom und Meisterstudium bei letzterem ab. Nadine Albach charakterisiert Bussenius 2011 in der Klassenausstellung der Meisterschüler als Maler, der „bewusst die Brüche“ zwischen „Alten Meistern und Popkultur“ sucht. Unrecht hat sie damit nicht, denn die rätselhafte und ortlose Aura der qualitativen Gemälde und Landschaftsaquarelle sind eindeutig und liegen wohl am unumgänglich Einfluss des Leipziger Kunstkosmos: Fortschritt lässt die Messestadt wachsen und Wechselwirkungen der Kunststudenten untereinander kollidieren mit der traditionellen Malerei in Leipzig. Bussenius filtert all diese starken zeitgenössischen Eindrücke und lässt Bilder mit Esprit der Neuen Leipziger Schule entstehen.

Autorin: Katrin D. Herold M.A., Berlin, Juli 2014

 

Vita
Christian 3

1978
geboren in Magdeburg, lebt und arbeitet in Leipzig

seit 2013
Zusammenarbeit mit Galerie FLOX

2011
Meisterschüler Porf. Neo Rauch

2008
Diplom / Hochschule für Graphik und Buchkunst (HGB) Leipzig

2005-2008
Klasse Neo Rauch / HGB Leipzig

2002-2005
Klasse Prof. Adolf Rink / HGB Leipzig

2002-2008
Studium Malerei/Graphik / HGB Leipzig

 

Ausstellungen (Solo oder Gruppe)

seit 2006
Bonn, Dortmund, Grimma, Kirschau, Leipzig, Magdeburg, Pécs (Ungarn), Seoul (Korea)