PORCU sandro

Sandro Porcu – Spekulationen aus tragisch-komischer Perspektive

Sandro Porcu hält der Welt in seinem figürlichen Œuvre einen humoristischen Spiegel vor. Im Rahmen des aktuellen Kunstmarkts möchte er den Status von Dingen und deren konstitutive Funktion hinterfragen. Insbesondere eignen sich hier Alltagsszenerien. Seine modifizierten plastischen Nachahmungen beziehen im Sinne eines ’neuen Realismus‘ klare Position.

Kurator Christian Gracza charakterisiert Porcu mit all seinen spielerischen ‚Optionen‘ als Manipulator – einen Künstler, der das Ergebnis seiner Arbeiten als Transformation im Betrachter vorgeführt bekommt. Porcu spekuliert in seinen Arbeiten auf die freiwillige Hingabe der Rezipienten und deren Willen zur Erweiterung ihrer eigenen Perspektive.

Die Verwandlung der Phänomenologie von Klischees gelingt dem Künstler indem das Reale konvertiert wird und zum Künstlichen gerät. Solche Metamorphosen finden sich etwa in der Analogsetzung einer Unterarmgehstütze mit einem Maschinengewehr in Cross-Over [2005] oder in der Verballhornung eines hilflosen Aufschreis in Scream [2014]. Womöglich soll auch an Edvard Munchs berühmtes Bildmotiv Der Schrei erinnert werden, ebenso wie in Thinker [2012] auf die melancholische Pose des Denkers von Rodin verwiesen wird.

Manche Arbeiten tragen den industriellen Charme von ready-made Produkten. Jene Werke unterstreichen damit aber nur ihren eigenen Warencharakter und verweisen im genaueren Hinsehen auf ihre Manipulation durch den Künstler – seien es Verdoppelungen oder Verdreifachungen [Trikick, 2010 oder Triocolum 2012] der Dingeigenschaften und die einhergehende Paradoxie ihrer nun ad absurdum geführten Anwendbarkeit oder gar eine Mechanisierung. Kinetische Elemente tauchen vordergründig in ihrer Konstruktion als Werkgegenstand auf [Bett, 2010], aber auch im verborgenen Inneren der Skulpturen.

2010 deutet Monika Nowak bereits auf Porcus Methode der „subversiven Unterwanderung des aktuellen Kunstbetriebs“. Ohne einen moralisch überlegenen Gestus zeigt Porcu seine Vertrautheit mit institutionellen Konditionen und dem Kunstmarkt aus unterschiedlichen Blickwinkeln: Fünfzehn Jahre hatte er als freier Künstler sein Atelier in der Leipziger Baumwollspinnerei und war Mitbegründer der Produzentengalerie KOMET.

Autorin: Katrin D. Herold M.A. , Berlin, Juni 2014

 

Vita
sandro

1966
geboren in Caltanissetta, Italien, lebt und arbeitet in Kirschau (Oberlausitz)

seit 2013
Zusammenarbeit und ständige Ausstellung in Galerie FLOX

seit 2011
Atelier „Im Friese“ Kirschau

2011
Lehrauftrag künslerischer Workshop-Leiter an der Hochschule Zittau/Görlitz

2006-2007
Assistent bei  Darren Almond Projekt „Terminus“

2005-2007
Abendakademie, Hochschule für Grafik und Buchkunst (HGB), Leipzig

1996-2011
Atelier in der Leipziger Baumwollspinnerei

seit 1990
freischaffender Künstler

1982-1984
Ausbildung zum Karosseriegestalter

seit 1970
in Deutschland

 

Auszeichnungen/Stipendien  

seit 2011
Arbeitsstipendium Bautzen

2010
Kunstförderpreis, artgrand München

2009
Preisträger, Via Regia Sculptura Görlitz

2010
Aufenthaltsstipendium, Közelítés Art Association, Pécs (Ungarn)

2010
Aufenthaltsstipendium, Christoph Merian Stiftung, Basel (Schweiz)

 

Mitglied

Kunstinitiative „Im Friese“ e.V., Kirschau Oberlausitzer Kunstverein, Regionalgruppe Löbau

 

Ausstellungen (Solo oder Gruppe)

seit 1999
u.a. in Arnstadt, Bautzen, Berlin, Dresden, Karlsruhe, Kaufbeuren, Kirschau, Krakow (Polen), Lana (Italien), Leipzig, London (Großbritanien), Lübben, Merseburg, München, Nördlingen, Pecs (Ungarn), Stuttgart, Weimar, Zürich (Schweiz)