POPELLA stephan

Stephan Popella – Ironischer Realismus

Popellas dokumentarisch genaue Arbeiten in einem physischen und psychologischen Realismus  versuchen den Betrachter zu irritieren: Sei es durch die erschreckend detailgenaue Abbildung von Wunden, durch das Verlachen historischer Größen im Bildmotiv oder mittels Verschiebung von Kontexten in der Komposition selbst. Meist werden Inhalte schon im Werktitel angedeutet und transportieren die doppelbödigen Verweise auf eine bildimmanente Metaphorik. Die Betrachterführung wird mit Hilfe des dramatisierenden Effekts des chiaroscuro betont – eine in Renaissance und Barock entwickelte Hell-Dunkel-Malerei, die ebenfalls im Goldenen Zeitalter der Niederlande bis zu spotartiger Lichtinszenierung perfektioniert wurde. Auf Grund der gezielt gesetzten Kontraste entsteht im Bildraum mehr Tiefe und der Ausdruck kann stärker ausgestaltet werden.

Mit seinem figürlichen Werk steht Stephan Popella im zeitgenössischen Kunstkontext als singuläres Phänomen: Zum einen zwischen den tradierten Akteuren der Neuen Leipziger Schule und zum anderen in der Folge historischer Vertreter diverser realistischer Malstile. Dabei changieren die Anklänge zwischen den schonungslosen Darstellungen der ersten Realisten bis zu ideologischer Malerei der Legitimierung von Staatsoberhäuptern. Letzteres hinterfragt Popella mit pointiertem Witz. Die weitreichenden Hintergründe sieht man den verdichteten Bildmotiven Popellas an. Durch sein begonnenes Studium der Geschichte, Philosophie und Kunstgeschichte konnte Popella Einblicke in den wissenschaftlichen Aspekt von Inhaltsvermittlung und in historisch-philosophische Diskurse gewinnen, um daraus seine Methoden zur Genese eigener Bildmotive zu entwickeln.

In Kenntnis dieser Vorläufer distanziert er sich gleichermaßen von den alten Mustern und sucht einen neuen Impetus in seinem Werk einzulösen. Durch ironische Brechung sollen Motive ihrem bisherigen Gebrauch enthoben werden. Die Malerei zielt auf eine Kontextverschiebung von üblichen Sehgewohnheiten, die anregen dem täglich Gesehenen auf den Grund zu gehen und des Betrachters Sinne zu schärfen. Popella bedient dabei keine politischen Positionen oder klagt an, er nimmt eine aufzeigende Perspektive ein, um dem Betrachter zu erleichtern, in der Fülle der Interpretationsmöglichkeiten und zitierten Zusammenhänge eine eigene Version des Bildinhalts entstehen zu lassen.

Autorin: Katrin D. Herold M.A. ,  Berlin, Juni 2014

 

Vita
porträt

1980
geboren in Bautzen, lebt und arbeitet in Dresden

seit 2013
Zusammenarbeit mit Galerie FLOX

2012
Würdigungspreis des Stiftes Klosterneuenburg im Rahmen des St. Leopold Friedenspreises

2011
Mitinitiator der Kunst- und Kulturfabrik Krautwald in Dresden

2006-2008
Konstrukteur in der Automobilindustrie (Caravan)

2002-2005
Studium für Möbel- und Innenausbau in Dresden

1999-2002
Studium der Geschichte , Philosophie und Kunstgeschichte in Dresden

 

Ausstellungen (Solo oder Gruppe)

 

seit 2004
u.a. in Breslau (Polen), Budapest (Ungarn), Dresden, Görlitz, Innsbruck (Östererich), Kaaden (Tschechien), Kirschau, Köln, Kraliky (Tschechien), Landek (Polen), Löbau, seoul (Südkorea), Wien (Österreich)