TIEPELMANN johannes

Johannes Tiepelmann – Dualismen figurativer Malerei

In seiner figürlichen Malerei spielt Johannes Tiepelmann mit den Grenzen unserer Vorstellung und Denkmuster. Er möchte Perspektivänderungen in Verbindung von analoger zu digitaler Kultur katalysieren und lässt den Betrachter dazu in eine bunte Vielfalt eintauchen. Sichtbar werden aktuelle Themen der Jugendkultur in Street Art oder digitalen Reminiszenzen verschiedener Charakteristika; etwa Computerspiele, Anime oder Graffiti. Demgegenüber stehen Phantasielandschaften voller Möglichkeiten mit ihrer Welt entrückten mythischen Wesen oder  selbstvergessenen Kriegern. Alle Figuren bieten sich als Projektionsflächen eines neuen Heldentypus an. Bestärkt wird die Motivik einer täuschend nahen Ausflucht durch irreführende Raumgestaltungen der Bildschirmhintergründe, die wie Regenbogen, Farbbänder in Röhrenmonitoren oder elektronische Rasterung in früher Computerspielästhetik anmuten. Anhaltend stehen sich abstrakte und figurative Elemente gegenüber – zwischen Bildhaftem und Unfassbarem. Die durch fehlende Bezugswerte entstandene Verlorenheit hebt die Protagonisten hervor und führt zu der Erkenntnis, die Bowie 1977 in Heroes besang: „Und wir sind dann Helden, Für einen Tag!“. Die farbige Szenerie fordert Aktion und suggeriert: Im Kampf wird der Held siegen! – doch der Ausgang bleibt stets ungewiss.

Johannes Tiepelmann studierte Malerei an der Burg Giebichenstein und ab 2004 an der HGB in Leipzig bei Prof. Arno Rink und Prof. Neo Rauch. Den Erfolg des Künstlers begründet Christian Schüle 2005 in seiner malerischen „Diagnose des gesellschaftlichen Erschöpfungszustands”. 2011 beschreibt Daniel Thalheim die Gemälde als Kulissen, die vom Maler szenisch erdacht und deren Geschichten komprimiert erzählt werden.

Divergente Konterpaare treten gegeneinander an, bestaunen verwundert die gebotene Requisite oder stellen sich in Porträts zur Schau. Kordeln und Schnüre im Bild verstricken, umschlingen, umgarnen, verbinden, nähren, lähmen und führen auf den spielfeldartigen Bodenstrukturen oder bezuglos erscheinenden Elementen unterschiedlichen Ursprungs. In Manier der Malerei der Neuen Leipziger Schule umgibt die Szenen ein Geheimnis, das der Betrachter auf der Suche nach Entschlüsselung der Bildgegenstände und deren Zusammenhang entwirren muss. Vernetzungen und ungeahnte Verbindungen agieren im Hintergrund und gestalten den Wechsel zwischen dem realen Alltag und der Hintertür in eine virtuelle Realität – einem Second Life.

Autorin: Katrin D. Herold M.A., Berlin, Juli 2014

 

Vita
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1979
geboren in Mühlhausen, lebt und arbeitet in Leipzig

seit 2013
Zusammenarbeit mit Galerie FLOX

seit 2006
Freischaffender Künstler

2004-2006
Wechsel an die Hochschule für Grafik und Buchkunst (HGB) Leipzig – Studium der Malerei bei Prof. Arno Rink und Prof. Neo Rauch

2001-2004
Studium der Malerei, Burg Giebichenstein / Hochschule für Kunst & Design, Halle

 

Ausstellungen (Solo oder Gruppe)

 

seit 2003
u.a. in Berlin, Burgdorf, Dresden,  Halle, Kirschau, Krakow (Polen). Leipzig, London (Großbritanien), München, Pecs (Ungarn), Stuttgart, Wien (Österreich)