„quer & längs II“ 6. Sonderausstellung / FIEDLER sandro / Malerei


Preview:      Donnerstag, 19.03.2015 / 20:00 Uhr

Vernissage: Freitag , 20.03.2015 / 20:00 Uhr / Tanzperformance von TanzART  (Jana Schmück & Anne Dietrich / Kirschau)

Last Day:    Sonntag, 31.05.2015

im SMALL ROOM oder Kabinett / 200 m² großer Ausstellungsraum

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Auszüge aus der Laudatio von Kathrin Christoph am 20.03.2015

Durchstreift man die Gänge der Kunstinitiative „Im Friese“ hier im Kunstquartier in Kirschau, stößt man unweigerlich auf Räumlichkeiten namens „Atelier Zimmer 7“, zunächst Fotoarbeiten, dann Malerei. Ein Blick durch die Fenster verrät noch nicht ganz, was man erwarten kann. Aber grobe Strukturen auf Leinwänden zeigen schon aus dieser Entfernung, dass es sich nicht um eine hauchzarte Aquarelltechnik handelt. Großformatige, auf Keilrahmen gespannte Leinwandbilder hängen und stehen an den Wänden, sind verpackt mit Folie oder noch weiß und unbemalt. Unmengen Ölfarben und maltechnisches Gerät; Spachteln, Firnisse, Palletten, Tücher, Handschuhe, Skizzen, Klebeband weisen darauf hin:

Hier ist das Reich von Sandro Fiedler. Der gebürtige Schirgiswalder Kunstschaffende hat sich eingelebt. Mit handwerklichem Geschick hat er sein Atelier nach seinen Vorstellungen gestaltet. Das einflutende Tageslicht ermöglicht fast das Gefühl eines Arbeitens unter freiem Himmel. Weiße Wände bieten Raumgefühl und assoziieren Präsentationsmöglichkeiten. Rückzugspunkte geben Abstand und erlauben das Überdenken des Geschaffenen. Der Geruch nach Ölfarben wird stärker und die Strukturen auf den Bildern nehmen Gestalt an.

quer & längs – diese Richtungen bestimmen überwiegend den Duktus, das haptisch-plastische Erscheinungsbild seiner Bilder. Spachteln und Malmesser verschiedenster Breiten helfen, die pastosen Farbmengen auf die Leinwand aufzubringen. Die Bilder bekommen Gewicht. Aufgetragen wird von mager nach fett, damit die Farbschichten keine Risse bekommen. In der Spachteltechnik zu arbeiten bedeutet, Vereinfachungen zuzulassen um mit der Vereinfachung, entsprechende Wirkungen zu erzielen. Detailliertes Arbeiten ist nur bis zu dem Grad möglich, was die Malwerkzeuge durch Größe und Form zulassen. Darin liegen Reiz und Können. Das Grobe der Spachteltechnik und die Plastizität in der Fläche, sind das Spezifische und die Herausforderung dieser Technik.

Henry Matisse, französischer Maler, Grafiker, Bildhauer, mit Pablo Picasso bedeutendster Künstler der Klassischen Moderne, hinterließ uns 1909 folgende Gedanken dazu: „Der Maler braucht sich nicht mehr um kleinliche Einzelheiten zu bemühen, dafür ist die Photographie da, die es viel besser und schneller macht. – Es ist nicht mehr Sache der Malerei, Ereignisse aus der Geschichte darzustellen; die findet man in Büchern. Wir haben von der Malerei eine höhere Meinung. Sie dient dem Künstler dazu, seine inneren Visionen auszudrücken.“1

Dass das Charakteristikum der Ölspachtelei auf verschiedenste Themenbereiche anwendbar ist, zeigt die heutige Ausstellung Sandro Fiedlers auf überzeugende Weise. In quer & längs – Richtung – aus vorherigen Ausstellungen Vielen bekannt, die in expressionistischem Farbrausch angelegten Fiedlerschen Kirschauer Kirschen.

Ein Schwerpunkt der heutigen Ausstellung: Strandidyllen des Meeres. „Hören Sie es rauschen?“ Wir werden in Urlaubsstimmung versetzt und können am Lebensgefühl und einer großen Leidenschaft des Künstlers teilhaben. Auch Figürliches aus Kindheit und Gegenwart, Bedürfnisse der Menschen nach Entspannung und Ausgleich, auf den „Schattenbildern“, werden uns näher gebracht.

Andere Länder – andere Sitten! Typisches und Typen zu erkennen, zu beobachten und malerisch umzusetzen, den Betrachter zu entführen – eine Herausforderung für jeden Kunstschaffenden. Alles Themen, denen Geschichten und persönliche Vorlieben voraus gehen, mit denen sich der Macher umgibt und auseinandersetzt – was er uns sagen möchte. Noch einmal Parallelen zu Gedanken von Henri Matisse aus dem Jahre 1908: „Mein Traum ist eine Kunst voll Gleichgewicht, Reinheit, Ruhe, eine Kunst, die für jeden geistig Arbeitenden, wie für den Künstler, ein Linderungsmittel ist, ein geistiges Beruhigungsmittel, das seine Seele milde glättet, ihm eine Beruhigung von den Mühen des Tages und von seiner Arbeit bedeutet.“ 2

Bevor Sandro Fiedler die Ölspachteltechnik für sich entdeckte, arbeitete er viele Jahre erfolgreich auf dem Gebiet der Airbrush-Technik. Zahlreiche Auftragsarbeiten in Lokalen, Diskotheken, Wellness-Oasen, an Fahrzeugen – selbst am menschlichen Körper im Eventbereich – konnten durch ihn realisiert werden und trugen zu seinem Bekanntheitsgrad bei. Die Teilnahme an Ausstellungen in Leipzig, Frankfurt am Main, Bischofswerda, Bautzen belegen seine Präsenz und seinen Erfolg.

Der Umzug seines Ateliers „Zimmer 7“ in die Kunstinitiative im Frühjahr 2012 war für ihn Bekenntnis, sich weiter ernsthaft in die künstlerische Entwicklung unserer Region und darüber hinaus einzumischen. Um gemeinsame Projekte mit Künstlern aus dem In- und Ausland auf den Weg zu bringen, bedarf es eines großen Aufwandes an Energie und persönlichem Engagements. Beides setzt er in hohem Maße ein. Dennoch ausreichend Zeit für die eigene künstlerische Entwicklung zu haben, bedeutet manchmal Gradwanderung und ist doch gleichzeitig ein großes Bedürfnis für den nunmehr, seit kurzem, 40 Jährigen – noch einmal „Herzlichen Glückwunsch“.

Dass sich diese Konsequenz auszahlt, beweisen zahlreiche Ausstellungsteilnahmen, unter anderem an der „aquamediale“ in Lübben, die erfolgreiche Präsentation in der CDU-Fraktion im Sächsischen Landtag und die Teilnahme, vertreten durch die Galerie FLOX, an der ART Innsbruck im Februar dieses Jahres.

Eine nahezu unerlässliche Notwendigkeit für Kunstschaffende, den Produzenten der Kunst, ist die Zusammenarbeit mit Kunstvermittlern, die ihre Aufgabe darin sehen, die Werke Sammlern, Liebhabern, Mäzenen, einem breiten, interessierten Publikum zuzuführen. Eine solche Institution kann eine Galerie sein. Seit nunmehr fast zwei Jahren besteht für Sandro Fiedler die Zusammenarbeit mit der Galerie FLOX. Sie bietet eine hervorragende Plattform, die eigene künstlerische Meinung kund zu tun, sich als Vertragskünstler unter Künstlerkollegen zu behaupten, das Spektrum für Kunstinteressierte zu erweitern.

Ein lohnendes Ziel und wunderbare Herausforderung für Sandro Fiedler, weiterhin quer & längs zu denken und in seiner Technik zu arbeiten. „

Copyright: Kathrin Christoph
Quellen: 1 und 2 www.kunstzitate.de

An jedem Sonntag um 15.00 Uhr bieten wir eine Führung durch die Ausstellung an.